Wieder am Puls der Zeit
viastore modernisiert Produktionslager der Eppendorf Instrumente GmbHWenn die Störzeiten in einem automatischen Lager zunehmen, wird es Zeit für eine grundlegende Sanierung. Deshalb hat viastore systems das etwas in die Jahre gekommene Tablarlager eines Drittanbieters der Eppendorf Instrumente GmbH in Hamburg auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Antriebe wurden getauscht, neue Steuerungen eingebaut und ein modernes Lagerverwaltungssystem installiert. Nach gerade mal fünf Tagen war das Lager mit neuer Performance wieder in Betrieb. Verfügbarkeit und Ersatzteilversorgung sind wieder sichergestellt.
25 Jahre lang hat das automatische Kleinteilelager (AKL) seinen Dienst getan. Es versorgte die Produktion der Eppendorf Instrumente GmbH in Hamburg mit Bauteilen und Komponenten, die dort für die Herstellung von anspruchsvollen Laborgeräten benötigt werden. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Eppendorf AG, die Systeme für die Life-Science-Forschung herstellt. Die Produktpalette reicht von Verbrauchsartikeln wie Reaktionsgefäße über Pipetten, Dispenser und Zentrifugen bis zu Komplettausstattungen zur DNS-Vervielfältigung oder Biochips. Gegründet wurde es 1945 auf dem Gelände des Universitätskrankenhauses in Hamburg-Eppendorf. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit mehr als 2.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 400 Millionen Euro.
Ausfälle stiegen, Funktionen fehlten
An diesem wirtschaftlichen Erfolg hat das AKL einen kleinen, aber nicht unwichtigen Anteil: Auf den 1.620 Tablarplätzen des eingassigen Lagers liegen Elektronikplatinen, Kunststoffteile, Befestigungsmaterialien und bis zu drei Kilogramm schwere Bauteile für die Produktion von Laborgeräten. Das Lager wurde 1985 gebaut. Um die Leistungsfähigkeit zu erhalten, wurde bereits Ende der 1990er-Jahre die Fahrtechnik aktualisiert. Doch jetzt machte sich das Alter der Anlage wieder verstärkt bemerkbar, wie Ralf Nobereit, bei Eppendorf Instrumente verantwortlich für die interne Logistik, erläutert: „Die Anzahl der Ausfälle stieg, und für manche elektronische Bauteile bekam man mittlerweile nur schwer Ersatz.“ Zum Beispiel bei der Steuerung: Dabei handelte es sich um eine Simatic-S5-kompatible PC-SPS auf Windows-95-Plattform. Technologisch nicht gerade zeitgemäß. Aber auch mit den Funktionalitäten der Steuerungssoftware war Ralf Nobereit nicht mehr zufrieden: „Das System erlaubte keine chaotische Lagerung. Das heißt, ein Artikel konnte immer nur auf einem bestimmten Tablar gelagert werden. Wenn mehr Teile eingelagert werden mussten, als dieses Tablar fassen konnte, ging das nicht.“ Miroslav Micevski ergänzt noch einen weiteren Aspekt: „Die SPS-Software ist damals hier vor Ort entstanden und war in keiner Weise an eine überlagerte Software angebunden. Zudem war keine Fehlerauswertung möglich – das erschwerte die Fehlerdiagnose.“
Micevski ist Elektromechaniker in der Produktion. Er ist auch mit der Instandhaltung des automatischen Lagers betraut und damit von der fehlenden Fehlerauswertung direkt betroffen. Weil die Vorgänge im Lagerbetrieb nicht abgespeichert wurden, konnte im Fehlerfall nicht zurück verfolgt werden, was passiert war. Entsprechend lange war Micevski mit dem Beheben einer Fehlfunktion beschäftigt. Und in dieser Zeit konnte die Produktion nicht mit Nachschub versorgt werden.
Erfahrener Modernisierer gesucht
„Letztlich haben wir uns daher entschieden, das gesamte System grundlegend zu sanieren“, erinnert sich Nobereit. Nur – welches Fachunternehmen sollte damit beauftragt werden? Der ursprüngliche Lageranbieter existierte in dieser Form nicht mehr, und auch das Unternehmen, das damals die Fahrtechnik modernisiert hatte, war mittlerweile in einer anderen Firma aufgegangen. Nachdem Nobereit verschiedene Vergleichsangebote eingeholt hatte, wurde er schließlich bei der Stuttgarter viastore systems GmbH fündig. Das Unternehmen bietet schlüsselfertige Intralogistik-Anlagen an und ist nicht nur Experte für automatische Lagersysteme, sondern hat auch die dazu passende Lagersoftware im Portfolio. „Besonders überzeugt hat uns, dass viastore explizit anbietet, bestehende Anlagen – auch von Fremdanbietern – zu überarbeiten“, sagt Ralf Nobereit. „Wir konnten hier alle Leistungen, also Antriebstechnik, Steuerungen und Software, aus einer Hand bekommen. Und viastore konnte große Erfahrungen bei der Modernisierung von alten Anlagen vorweisen.“ Das haben die Fachleute von Eppendorf im Vorfeld der Auftragsvergabe auch genutzt und sich Anlagen zeigen lassen, die viastore modernisiert hat.
Vorkonfigurierte Lagerverwaltung
Gemeinsam haben die Fachleute von viastore und Eppendorf ein Pflichtenheft entwickelt, das neben dem Austausch der Antriebe und Steuerungen auch die Installation der Lagerverwaltungssoftware viad@tONE sowie die Anbindung des Systems an das bei Eppendorf vorhandene ERP-System BAAN beinhaltete. „Mit viad@tONE bieten wir eine Komplettsoftware für Automatiklager mit geringer Komplexität“, erklärt Frank Orbke, der in der viastore-Niederlassung in Löhne Ansprechpartner für die Modernisierung und den Umbau von Lagern ist. „Das Softwarepaket ist vorkonfiguriert und umfasst die wichtigsten Basis-Funktionen für Warehouse Management, Materialfluss-Steuerung und Anlagen-Visualisierung.“ Das ermöglicht kurze Projektlaufzeiten und bietet geringe Einstiegskosten in eine professionelle Lagerverwaltung. Zudem bietet dieses WMS eine hervorragende Grundlage für künftige Erweiterungen. „Der Anpassungsaufwand bei dem Lagerverwaltungssystem war relativ gering“, bestätigt Nobereit.
„Nur eine Besonderheit musste berücksichtigt werden“, erinnert sich Nobereit: „Bei uns sind gut 90 Prozent ungeplante Auslagerungen.“ Dies liegt daran, dass die Fertigung bei Eppendorf Instrumente nach dem KANBAN-System arbeitet. Nobereit: „Es gibt also keinen Auslagerungsauftrag, sondern wir sagen dem System nur, dass es einen bestimmten Artikel bringen soll. Dabei wird ein Datensatz erzeugt mit der Info, dass dieser Artikel in einer bestimmten Zahl aus dem Lager entnommen wird.“ Dieser Datensatz wird zudem dem ERP-System mitgeteilt. Überhaupt wird in dem modernisierten System jetzt jede Entnahme automatisch an die Unternehmenssoftware überspielt. Wolfgang Reich, Sachbearbeiter für die interne Logistik: „Früher gab es Entnahmelisten, die bei der Kommissionierung per Hand ausgefüllt wurden. Die musste ich dann manuell in das ERP-System eingeben.“ Auch die Inventur-Funktion von viad@t wird bei Eppendorf genutzt. „Die Möglichkeit einer derartigen Zwischen kontrolle hatten wir vorher nicht“, berichtet Ralf Nobereit. Zudem zeigt das System beim Aufruf eines Artikels genau an, auf wie vielen Tablaren er liegt. „Wir haben dadurch eine wesentlich größere Bestandstransparenz, ohne dass wir zusätzliche Arbeit investieren müssen.“
Schnellere Kommissionierung
Auch die Kommissionierung ist deutlich schneller geworden: Während früher zu jedem Teil eines Produktionsauftrags – ein komplettes Gerät besteht bei Eppendorf aus 150 bis 180 Teilen – die entsprechende Tablarnummer eingegeben werden musste, reicht es heute aus, im System das jeweilige Gerät anzuklicken, und es werden die acht, zehn oder 20 entsprechenden Tablare zum Kommissionierplatz gebracht. „Ich kann in einem Rutsch durcharbeiten und habe keinen Zeitverlust“, sagt Wolfgang Reich. „Zudem wird auf dem Bildschirm am Kommissionierplatz angezeigt, aus welchem Fach auf dem Tablar etwas entnommen werden soll.“ Die Tablare sind in acht Fächer unterteilt, das entsprechende Fach wird auf dem Monitor gelb hervorgehoben. „Ein Fehlgriff ist damit nahezu ausgeschlossen.“ Die Ware wird dabei nach dem First-in-first-out (FIFO)-Prinzip ausgelagert. Auch dies war mit der alten Lösung nicht möglich und für Ralf Nobereit ein weiterer Grund, das Lager und dessen Verwaltung zu modernisieren. Denn so werden ältere Chargen eines Artikels zuerst verbraucht. Und auch für die Zertifizierung des Unternehmens ist das FIFO-Prinzip eine wichtige Funktion, wie Miroslav Micevski betont: „So kann man schon bei der Einlagerung eventuell veränderte Artikel unterscheiden und dokumentieren.“ Früher wurden alte und neue Artikel auf einem Tablar durch angeklebte Zettel gekennzeichnet.
Nach fünf Tagen wieder in Betrieb
Insgesamt haben die Modernisierungsarbeiten am Lager gerade mal fünf Arbeitstage gedauert. In diesen wurden die SPS getauscht, die Software eingerichtet, Testläufe gemacht und auch schon die Mitarbeiter parallel an der Anlage geschult. „Dieser enge Zeitrahmen ist nur einzuhalten, weil wir die Software und auch die Steuerungen so weit wie möglich bei uns im Haus im Echtbetrieb testen“, erklärt Frank Orbke. Zudem wurde die Sanierungsphase in den Zeitraum zwischen Weihnachten und Neujahr gelegt, in dem die Fertigung ohnehin stillstand. „Damit wurde der Produktionsprozess nur unwesentlich beeinflusst“, wie Ralf Nobereit betont.
Damit das auch bei eventuellen Störungen so bleibt, hat Eppendorf einen Servicevertrag mit viastore systems abgeschlossen. Die Stuttgarter Experten können sich über das Internet auf die Anlage aufschalten, Störungen online lokalisieren und beheben. Für Nobereit ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl von viastore systems: „Wir haben ja nur ein eingassiges Lager, also keine Ausweichmöglichkeit auf eine andere Gasse, wenn mal ein Fehler auftritt. Wir benötigen also ein Stück Sicherheit, und das bedeutet, dass auch der Service zur Verfügung steht.“


